Zusammen mit meinen beiden Kumpels liege ich hier gemütlich am Strand von Mallorca. Das Wetter ist blendend.
Vor uns steht der Sangria-Eimer mit zahlreichen Strohhalmen. In der Ferne rauscht das Meer und überall werden gepushte Brüste ins Licht gehalten.

Wohin das Auge blickt, liegen die hübschen Frauen herum. Unterm Tag befinden Sie sich noch neben uns, in der Nacht eher drunter oder drüber, je nach Alkoholpegel. Zufrieden starre ich auf meinen roten und früher auch mal durchtrainierten Körper. Hinter meinem Bauch kann ich sogar noch die Spitzen meiner Füße erkennen.
Die braunen Sandalen liegen neben mir, meine Tennissocken habe ich reingestopft. Nicht, dass sie noch verloren gehen, dann wären mir nämlich die Schuhe zu groß. Ist ohnehin nicht so gesund, wenn der Fuß atmen kann. Lieber mit Socken den Gestank dämpfen.

Doch nicht alles gefällt mir an Mallorca. Oftmals müssen wir erst zehn Minuten spazierengehen, bevor wir ein passendes Lokal finden.
In zahlreichen Restaurants werden ausschließlich spanische Spezialitäten angeboten. Keine Ahnung, wer das frisst, aber die Ausländer machen sich überall breit. Es gibt sogar immer noch Leute, die nicht anständig deutsch sprechen können. Unser Geld wollen dagegen alle haben.

Manchmal werden wir auch ganz böse angeschaut, nur weil wir betrunken sind und grölend durch die Gässchen schlendern. Was wollen die eigentlich von uns, schließlich haben wir Urlaub und sorgen für ein bisschen Stimmung in diesem Kaff. Vielleicht sollte ich alles nicht so persönlich nehmen und mich nicht immer darüber ärgern.

Naja, nach dem Auftritt von Jürgen Drews ist auch die gute Laune wieder da. Super, wie der in diesem Alter noch singen kann. Zwar haben wir ihn kaum verstanden, weil wir selbst so laut waren, aber erahnen konnte man sein Talent schon.

Gesehen habe ich ihn leider auch nicht, weil meine Augen aufgrund der vielen Bierduschen noch so brannten. Gemischt mit der Sonnencreme, musste ich mich zugegebenermaßen sogar selbst ein wenig vor meinem Gestank ekeln. Zähneputzen wäre auch mal wieder nicht schlecht, doch nach so vielen Bieren kann ich am Abend meistens die Bürste gar nicht mehr kontrollieren.
Manchmal spielen wir auch Fussball. Da staunen sowohl die Einheimischen, als auch die Engländer. Lange spielen wir nicht, weil uns dann schnell die Puste ausgeht. Ist ja auch nicht gesund, bei dieser Hitze so schnell zu rennen. Unsere Technik ist dagegen erstklassig. Deutschland ist halt doch das Mutterland dieses Sportes.

Nach dem Spiel gibt es erstmal ne Pause. Da kommt man schließlich ganz schön ins Schwitzen. Der Schnautzer trieft nur so und auch unter den Achseln und auf dem Rücken kleben die Haare fest. Die Frauen stehen da voll drauf, denn so müssen harte Kerle einfach sein.
Trotzdem muss ich mich im Klocontainer um die Ecke mal wieder richtig sauber machen. Sollen sich doch alle das Maul zerreißen, nur weil wir Deutschen so viel Wert auf die Körperpflege legen.

Mensch, ein Loch habe ich auch schon wieder in den Socken. Muss wohl an den langen Zehennägeln liegen. Die kann ich so schlecht schneiden, weil sie durchs rauchen so gelb und brüchig geworden sind. Unter den Nägeln liegt zudem so viel Dreck, dass ich die Schere gar nicht richtig ansetzen kann. Da ist es doch viel hygienischer, alles so zu lassen, wie es ist.

Da muss ich doch gleich wieder ans Essen denken. Drüben eröffnet bald ein neuer Meeresfrüchtestand. Unglaublich, die Spanier futtern wirklich alles. Die haben scheinbar noch nie eine gute Knöcherlsulzen serviert bekommen. Jede Stunde wechsle ich zudem meinen Standort am Strand. Wer früh genug aufsteht, der hat auch alle Möglichkeiten offen. Vier Liegen konnte ich heute reservieren. Gestern waren es sogar sechs.

Kein Wunder, dass ich so früh aufstehe, wo unser Hotel doch so ein Loch ist. Ich weiß gar nicht, wer hier den einen Stern vergeben konnte. Da sollten sie mal den Hotelfuzi von RTL hinschicken, der würde Augen machen. Durch die vielen Kakerlaken fühlt man sich wenigstens nicht einsam im Zimmer.

Alles in allem hätte ich mir den Urlaub wirklich schöner vorgestellt. Aber was will man bei acht Tagen Halbpension für 149 Euro auch erwarten.

Vielleicht komme ich trotzdem bald wieder. Nach fünfzehn Jahren gewöhnt man sich eben auch an die Leute und die Gegebenheiten.

Geschrieben von: Michael Pohl
Gelesen von: Manuel Otte

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